Bundeswettbewerb Fremdsprachen: Sind Videoaufgaben schwer?

Manchmal müssen sich auch die erfolgreichsten Projekte neu erfinden. Den Bundeswettbewerb Fremdsprachen gibt es seit 1979, und er war und ist eine Erfolgsgeschichte: im ersten Jahr nahmen 133 Schüler/innen teil, mittlerweile sind es mehr als 15.000 pro Jahr. Über all die Jahre war der Einstieg in den Wettbewerb mit einer Leseaufgabe und einem selbst erstellten Sprechtext verbunden.

Wolfgang Hallet ist seit 2013 Vorsitzender des Beirats des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen

Beim Durchgang 2017/18 gab es nun zum ersten Mal die neue Aufgabe: Einzureichen war ein Video von 2 Minuten Länge in der Lieblingsfremdsprache, das an eine thematische Aufgabe geknüpft war. Die Hoffnung ist, junge Menschen dadurch für den Wettbewerb zu begeistern, dass sie in der Fremdsprache mehr von sich selbst und ihren Interessen (und ihrem Wissen!) zeigen können und dass sie dies zudem in einer Weise tun können, die ihrem lebensweltlichen Umgang mit Sprachen, Medien und Informationen entspricht.

Und so sieht die diesjährige Aufgabe zur Erstellung einer Videoaufnahme aus:

Für dein Video hast du zwei mögliche Themen zur Auswahl. Bitte wähle eines aus:

  1. Stelle eine Person oder eine Figur aus einem Buch, Film, Theaterstück, Comic oder aus einer TV-Serie vor, die dich fasziniert hat und begründe deine Wahl.
  2. Stelle eine prominente Persönlichkeit der Gegenwart oder eine historische Persönlichkeit vor, die dich fasziniert hat oder die du besonders wichtig findest und begründe dein Wahl.

Worauf es ankommt

Als Videounerfahrener denkt man zuallererst an das Videodrehen als technische Hürde. Für die meisten jungen Leute ist aber gerade das gar kein Problem; es gehört sozusagen zu ihrem Smartphone-Alltag und sie haben große Routine darin, und deshalb sollen auch ansprechend gemachte einfache Handyfilme eine gute oder exzellente Bewertung erzielen können. Zudem wird zwar auch filmische Qualität bewertet.

Im Mittelpunkt steht aber, wie jemand seine Geschichte darbietet, wie gut das in der fremden Sprache gelungen ist und wie überzeugend er oder sie das gewählte Thema zur Anschauung bringt. Und schließlich: Die Webseite des Wettbewerbs hält nicht nur ein flottes Video mit Tipps einer jungen Youtuberin bereit, sondern auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung fürs Videomachen, die man auch jenseits des Wettbewerbs allen empfehlen kann, die in Schule und Freizeit ein gutes Kurzvideo herstellen möchten. Das alles ist zu finden auf  https://www.bundeswettbewerb-fremdsprachen.de/mitmachen/solo-2018/2018-aufgaben-solo.

Das Video-Portrait als komplexe Herausforderung

Das eigentlich Schwierige ist, in bewegten Bildern ein aussagekräftiges Portrait der gewählten (realen oder fiktionalen) Persönlichkeit zu erstellen oder deren Geschichte eindrucksvoll zu erzählen. Wenn man sich überlegt, was alles Eingang in ein solches filmisches Produkt findet, dann erkennt man, worin die eigentliche Herausforderung liegt. Denn man muss

  • eine Menge Wissen zu der ausgewählten Person oder literarischen Figur besitzen und gründlich recherchiert haben;
  • selbst wissen und sehr gut reflektieren, aber auch kommunizieren können, worin die Bedeutung einer Persönlichkeit für einen selbst, aber auch für andere liegt;
  • welche Bilder sich am besten eignen, um die Informationen über diese Person und deren Bedeutung an andere zu vermitteln;
  • aus Bildern eine 2-Minuten-Sequenz erstellen, die ein überzeugendes Portrait oder eine gute Story ergeben;
  •  über die sprachlichen Mittel verfügen, all diese Informationen in der Fremdsprache zu vermitteln (auch eine jeweils thematisch angemessene Terminologie und eine komplexe Syntax);
  • entscheiden, welche (möglicherweise selbst wieder fiktionale) Rolle man selbst als Sprecher/in einnimmt, z.B. als Erzähler/in, Kommentator/in, Reporter/in usw.;
  • wie man die eigene Sprechrolle inszeniert, z.B. als voice over, als im Bild präsente Reporter/in usw.

Erste Begutachtungen eingesendeter Videos zeigen, dass vielen Teilnehmer/innen nicht nur die filmische Darstellung auf nahezu perfekte Weise gelungen ist. Beeindruckend ist vielmehr die große Bandbreite gezielt, nicht willkürlich ausgewählter und gekonnt dargestellter Persönlichkeiten in den Videos. Sie reichen von einem japanischen Musical Hero über Elon Musk bis zu Queen Victoria.

Wenn es das Ziel der Aufgabenreform ist, den jungen Teilnehmer/innen der SOLO-Runde ab Klasse 8 mehr Möglichkeiten zur Demonstration ihrer Freude an fremden Sprachen, mehr kreative Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Raum zur Darstellung ihres Blicks auf die Welt und deren aktive Gestaltung zu geben, dann kann man schon jetzt sagen, dass das gelungen ist. Kurz gesagt: Hier können junge Sprachtalente zeigen, dass sie selbst Persönlichkeiten sind, in deren Leben andere Sprachen und andere Welten ihren selbstverständlichen Platz haben.

  https://www.bundeswettbewerb-fremdsprachen.de/mitmachen/solo-2018/2018-aufgaben-solo 

 

 

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