Das Print-Lexikon – eine aussterbende Spezies

Die Ankunft von Online Wörterbüchern hat das klassische Nachschlagewerk in seiner gedruckten Papierform auf die Ersatzbank verbannt.

Die Vorteile von Internetlexika sind auf den ersten Blick erdrückend: Man hat sämtliche Sprachen in einer App stets auf dem Smartphone dabei. Es können ganze Sätze bzw. Redewendungen gegoogelt werden. Komplette Deklinationen, Konjugationen und Verzeichnisse sind nur einen Mausklick bzw. einen Fingerstreich entfernt. Und das auch unterwegs.

Drei Vorteile des klassischen Wörterbuches

Wie kann da ein klobiger Wälzer noch konkurrieren? Jedoch hat das Englisch-Wörterbuch, in seiner klassischen Druckausführung, seinem digitalen Äquivalent gegenüber drei ganz entscheidende Vorteile, die besonders in Bezug auf Englisch lernen interessant sind.

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Der haptische Effekt: Wer Bücher liebt, braucht in diesem Zusammenhang eigentlich keine weiteren Erklärungen. Für Anhänger der digitalen Literatur ist der Vorteil allerdings nicht ganz eindeutig. Das In-die-Handnehmen und mühsame Blättern mögen zunächst lästig erscheinen, haben jedoch tatsächlich, besonders bei motorischen Lernern, den Effekt eines Lernturbos. Die sensorischen Nerven der Fingerspitzen stimulieren das Gehirn zusätzlich und intensivieren das Lernerlebnis.

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Freies Assoziieren beim Nachschlagen: Wer ein Wort nachschlägt, findet auf der Seite oft andere interessante Vokabeln, die zu weiterem Nachforschen anregen. So baut man unterbewusst auf natürliche Weise, nachhaltig Wortschatz auf und vergrößert sein Vokabular. Nachteil: ähnlich wie bei You-Tube Videos kann man abschweifen und mehrere Stunden über dem Lexikon verbringen.

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Der paradoxe Lerneffekt: Der größte Nachteil des Printlexikons ist gleichzeitig sein größter Vorteil. Das mühsame Suchen und Blättern beim Verwenden eines klassischen Wörterbuches signalisieren unserem Gehirn, dass es sich das Wort merken soll, um in Zukunft diesen Aufwand zu vermeiden. Die ständige Möglichkeit, Wissen bei Bedarf mühelos digital nachschlagen zu können, suggeriert unserem Gehirn hingegen, dass es keine kostbare Energie aufwenden sollte, um sich ein Wort einzuprägen. Schließlich kann man es ja gegebenenfalls einfach im Internet nachschlagen. Frei nach dem Motto: „Warum soll ich mir das merken, Google weiß es sowieso.“ 

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Die Kosten-/Nutzen-Rechnung des Gehirns

Unser ganzes Wesen ist von Natur aus faul. Dies ist noch ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Damals war Energie schwer zu bekommen. Man konnte nicht einfach in den Supermarkt gehen und für 10.000 Kalorien Lebensmittel kaufen. Jede Aktion war eine Kosten-/Nutzenrechnung. Deswegen ist unser ganzes Wesen darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Aus diesem Grund ist das Verwenden eines Online-Lexikons in Bezug auf den Prozess des Erlernens eher kontraproduktiv.

Die Kosten-/Nutzenbilanz des Online-Wörterbuchs scheint zwar positiv, da der Energieaufwand des Merkens überflüssig ist; schließlich kann man ein Wort ja jederzeit mühelos im Internet abrufen. Wenn man jedoch den lästigen Aufwand des mühseligen Nachschlagens im klassischen Wörterbuch einkalkulieren muss, lohnt es sich schon viel eher, das Wort in die eigenen grauen Zellen einzulagern. Schließlich ist der Energieaufwand hoch.  Auf diese Weise wird das Lernerlebnis beim Englischbüffeln intensiviert, wenn man ein Printlexikon verwendet.

Die Unumkehrbarkeit der Digitalisierung

Da der Prozess ohnehin nicht mehr umzukehren ist, ist diese Diskussion akademisch. Jedoch bleibt die Hoffnung, dass das Printlexikon nicht ausstirbt. Denn schließlich hat es durchaus seine Existenzberechtigung, und sollte nicht ins Exil des Bücherregals zu rein dekorativen Zwecken verbannt werden.

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