Fremdsprachendidaktik gegen Rassismus

Zu den übergeordneten Bildungszielen gehören in der Bundesrepublik Deutschland seit jeher die im Grundgesetz verankerten Werte der Menschenwürde, der Gleichheit und der Selbstbestimmtheit. Insbesondere gilt das Diskriminierungsverbot, das sich auf Herkunft, Religion, Geschlecht oder politische Überzeugungen bezieht.

Bildungsziel kulturelle Verständigung

Damit sind auch die Leitziele fremdsprachlichen Bildung umschrieben. Seit Jahrzehnten hat sich der Fremdsprachenunterricht in besonderer Weise dem Ziel der interkulturellen Kommunikation, der Verständigung und des friedlichen Zusammenlebens der Menschen verschiedener kultureller Herkunft und Prägung verschrieben. In allen Fremdsprachencurricula gehört das inter- oder transkulturelle Denken im Geiste gegenseitigen Respekts und der Achtung der Menschenwürde zu den Leitzielen.

Das Aufkommen des rassistischen Denkens

Dem stehen in unserem Land ein zunehmendes kulturelles Abschottungsbestreben und ein kulturelles Diskriminierungsdenken entgegen, für das einzig der Begriff ‚Rassismus‘ angemessen ist. Es ist wieder salonfähig geworden, Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion anzugreifen und zu diskriminieren, auch in unseren Parlamenten. Öffentlich erheben führende Politiker/innen ihre eigene, vermeintlich überlegene weiße ‚Rasse‘ über andere Menschen. Diesen sprechen sie menschliche Gleichheit ab mit dem Ziel, ihnen das Leben in unserer Gesellschaft zu verwehren. Zur Wahrheit gehört auch, dass es beim Denken nicht bleibt: Rassistisch motivierte Morde sind wieder gesellschaftliche Wirklichkeit.

Das Wiedererstarken des Antisemitismus

Auch der Antisemitismus nimmt einen neuen Anlauf. Der Holocaust, diese unvergleichliche, rassistisch motivierte Auslöschung eines ganzen Volkes, wird verharmlost oder geleugnet; antisemitisches Denken verbreitet sich und verschafft sich gar in einem Überfall auf eine Synagoge mörderischen Ausdruck. 

Denunziation

Über digitale Denunziationsportale wird mit dem Ziel der Einschüchterung ein aggressiver persönlicher Kampf gegen Lehrer/innen geführt, die sich für Menschenwürde, Gleichheit und gleiche Bildungschancen für alle einsetzen, unabhängig von kultureller, religiöser oder kultureller Herkunft. Dies ist nur eine Facette der ‚Jagd‘ auf andere Politiker/innen und Menschen, zu der in hasserfüllter Sprache in politischen Reden und im Internet aufgerufen wird.

Die Aufgaben der Fremdsprachendidaktik 

All dem müssen wir als Fremdsprachenlehrer/innen und als Wissenschaftler/innen in der Fremdsprachendidaktik entgegentreten, weil wir den Zielen der kulturellen Verständigung, des Austauschs und des friedlichen Zusammenlebens aller Menschen in unserem Land und in anderen Ländern besonders verpflichtet sind. Nationalistisches, völkisch-rassistisches und antisemitisches Denken haben im 20. Jahrhundert zu zwei großen, verheerenden Kriegen geführt. So etwas darf sich nicht wiederholen. Wir können nicht hinnehmen, dass Menschen, die in diesem Land leben, gegeneinander aufgehetzt werden. Wir müssen uns vehement dagegen wehren, dass rassistisches und völkisches, fremdenfeindliches, nationalistisches, antisemitisches und demokratiefeindliches Denken die Geschicke der schulischen Bildung bestimmen, also die Zukunft unserer jungen Generation und unseres Landes. 

Unsere jungen Menschen sollen

  • unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung
  • in einem Geist des gegenseitigen Respekts aufwachsen und erzogen werden; 
  • befähigt werden, eigene Meinungen im Geist gegenseitiger Achtung mit anderen auszuhandeln und demokratisches Denken und Handeln zu praktizieren und wertzuschätzen.

Darin liegt die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft begründet. Rassismus, Diskriminierung und Hass dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft und erst recht nicht in unseren Schulen haben. Dazu hat der Fremdsprachenunterricht eine große Menge beizutragen.

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