Lessons from the past – lessons for the future

Wenn man auf mehr als 40 Jahre als Englischlehrer und -Didaktiker zurückblickt, ist man dankbar für die Idee, die Sabine Doff und Tim Giesler in Bremen hatten. Sie konzipierten eine Ringvorlesung, die dem Erkenntnisgewinn gewidmet ist, der für die Zukunft der Fremdsprachendidaktik aus der aktiven Auseinandersetzung mit ihrer jüngeren Geschichte gezogen werden kann. Wie sonst soll man einschätzen können, wo sich Kontinuitäten und Aufbrüche, neue Orientierungen und Paradigmenwechsel, aber auch uneingelöste Versprechen und gescheiterte Ansätze erkennen lassen.

Neues erproben

Im Unterricht selber zeigen sich ohnehin keine scharfen Schnitte und Umbrüche. Kontinuitäten ergeben sich ohne Zutun, aber innovatives Unterrichtshandeln ereignet sich auch aus einer Wahrnehmung des Ungenügens und der Erstarrung im vermeintlich Bewährten, aus dem Wunsch nach neuen und anderen Lernerfahrungen und neuen Angeboten für die jungen Menschen, aber natürlich auch aus der Wahrnehmung neuer didaktischer Entwicklungen. Aus allem zusammengenommen resultieren experimentelle Unterrichtsarrangements, die aus Sicht der Schüler/innen natürlich zu verlässlichen Ergebnissen und erfolgreichem Lernen führen müssen. Wenn sie sich dann verstetigen und zu neuen didaktischen Mustern verdichten lassen, können sie entsprechend theoretisiert und mit bestehenden Theorien und Ansätze verknüpft oder gezielt davon abgesetzt werden.

Facing the Future – Consulting the Past

Ein solches Verhältnis zur Kontinuität lässt sich nur retrospektiv herausarbeiten; daher ist ein Ansatz interessant, den Sabine Doff und Tim Giesler für ihre Ringvorlesung in diesem Wintersemester gewählt haben. Darin wird dieses Verhältnis von rückschauender Reflexion für zukunftsweisende Orientierungen zum Programm: „Facing the Future – Consulting the Past. Drei Jahrzehnte Fremdsprachendidaktik im Rückblick (1968-2001)“.

Facing the future in 1999

Cover des booklet (im Original mit den Namen der Schüler/innen als Autor/innen)

Meinen Beitrag zu dieser Ringvorlesung habe ich dazu genutzt, eine Unterrichtseinheit aus dem Jahr 1999 anzuschauen, die mit Blick auf die Jahrtausendwende facing the future zum Gegenstand hatte und deren Ergebnisse in Form eines Booklets dokumentiert sind, das auch die Aufgabenstellung enthält – aus heutiger Sicht eine komplexe Aufgabe mit fast allen entscheidenden Merkmalen. Unter dem Titel Y2K+, also Year 2000 and after, gaben die Schüler/innen auf der Grundlage ihre Materialstudiums und eigener Recherchen (u.a., wie in der Aufgabe vorgegeben, im Internet) Ausblicke in das 21. Jahrhundert und sollten Vorhersagen für zukünftige Entwicklungen auf ihren jeweiligen Themenfelder machen: Getting Youth Through the AIDS Crisis; The Lure of the Perfect Child; Urbanization; The Big Cities; Natural Disasters and their Effects und viele andere mehr.

Eine komplexe Aufgabe in 1999

In dem Vortrag der Ringvorlesung reflektiere ich, auf welchen didaktischen Grundlagen damals solche Aufgaben entwickelt wurden und welche Entwicklungslinien darin in der Rückschau zu erkennen sind, darunter auch solche, die bis heute unabgeschlossen oder nicht einmal beherzt verfolgt wurden. Was den aufgabenbasierten Unterricht angeht, sind die Entwicklungen gut vorangekommen; target tasks oder unit tasks haben es bis in die Lehrwerke geschafft. Aber es ist ein trauriges didaktisches und bildungspolitisches Kapitel, dass in einer Aufgabe im Jahr 1999 die Internetrecherche und der Umgang mit Textverarbeitungssoftware verlangt wurde und im Jahr 2021 noch um Ressourcen und Kompetenzen für die digitale Dimension des Unterrichts gerungen werden muss.

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