Neue Publikationen zur Lehrer/innenbildung (2020 und 2021)

Literaturwissenschaften in der Lehrer/innenbildung

Seit Beginn der 2000er Jahre haben sich die Fremdsprachendidaktiken in allen Schulfremdsprachen als Disziplin an so gut wie allen Universitäten etabliert – mehr oder weniger. Im gleichen Zug haben sie sich auch ausdifferenziert, sodass nicht wenige Universitäten jeweils eine sprach- und mediendidaktische und eine literatur- und kulturdidaktische Professur eingerichtet haben. Diese disziplinäre Auffächerung verlangt auch nach einer Reflexion darüber, wie sich die Didaktiken zu ihren jeweiligen Bezugsdisziplinen verhalten oder, noch weitreichender, zu welchen Disziplinen überhaupt Bezüge bestehen sollen. Andreas Grünewald, Meike Hethey und Karen Struve haben zu diesen Fragen eine Tagung an der Universität Bremen organisiert und einen Band mit einer Vielzahl von Standortbestimmungen herausgegeben. In meinem Beitrag hebe ich auf zweierlei ab: Zum einen darauf, dass es keine einfache 1:1-Beziehung zu den Literaturiwssenschaften gibt, sondern ein ganzes Bezugsfeld an Disziplinen (Medien- und Kulturwissenschaften, die Sozialpsychologie, die Kognitionspsychologie und weitere), aus denen sich die Literaturdidaktiken mit wichtigen Erkenntnissen und Ansätzen speisen. Zum anderen hebe ich in dem Beitrag am Beispiel des multmodalen Romans und der multiliteracies hervor, dass die Literaturdidaktiken ihrerseist eine Menge Fragen, Erkenntniss und Konzepte zum Transfer in die Literaturwissenschaften anzubieten haben.

Wolfgang Hallet (2020). Common Ground und konzeptueller Transfer. Zu den komplexen Beziehungen zwischen den Literaturwissenschaften und den fremdsprachlichen Literaturdidaktiken. In: Grünewald, Andreas, Hethey, Meike & Struve, Karen (eds.). Kontrovers. Literaturdidaktik meets Literaturwissenschaft. Trier: WVT. 11-27.

Forschen als professionelle Kompetenz

In einer Festschrift für Daniela Caspari fragen die Herausgeber/innen explizit nach der Herausbildung der „Fremdsprachendidaktik als Wissenschaft und Ausbildungsdisziplöin“, so der Titel. Es handelt sich ungefähr 30 Jahre nach ihrem institutionellen Beginn um eine Selbstvergewisserung und Standortbestimmung. Die bezieht sich vor allem darauf, wie man sich eine gültige und wirksame Form der Lehrer/innenbildung an der Universität vorstellen kann. Die kulturellen und medialen Dynamiken der Gegenwart bringen es mit sich, dass diese nur bedingt mit gesicherten Beständen kulturellen, medialen und didaktischen Wissens und Könnens operieren kann, mit denen die Lehramtsstudierende an der Universität ausgestattet und in die Schulen entlassen werden. Daher befasse ich mich in meinem Beitrag damit, dass zukünftige Lehrer/innen unbedingt dazu befähigt sein müssen, kulturelle, soziale und mediale Entwicklungen und damit nicht zuletzt die Lebenswelt der Lernenden, aber auch Entwicklungen in den fremdsprachigen Kulturen eigenständig auf wissenschaftlich gesicherte Weise zu verstehen und zu erforschen. Die ethnographische Forschung kann als die Methode der Wahl gelten.

Wolfgang Hallet (2021). Ethnographische Forschung als professionelle Kompetenz und didaktische Haltung. In: Grünewald, Andreas, Tassinari, Giovanna, Noack-Ziegler, Sabrina & Wieland Katharina (Hrsg.). Fremdsprachendidaktik als Wissenschaft und Ausbildungsdisziplin. Tübingen: Narr. 139-153.

Deutsch als Zweitsprache in der schulischen Bildung

Es ist einem aktuellen sociokulturellen Befund geschuldet, dass wir in deutschen Klassenzimmern längst nicht mehr davon ausgehen, dass dort nur Schüler/innen mit der Muttersprache Deutsch sitzen. Eine lange Zeit der Migration hat dazu geführt, dass der Bildungssprache Deutsch als Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulbildung eine besondere Aufmerksamkeit gebührt. Inci Dirim und Anke Wegner haben zu allen damit zusammengängenden Fragen einen verdiensztvollen Band vorgelegt, in dem auch die Lehrer/innenbildung auf den Prüfstand gestellt wird (Beiträge u.a. von Anke Wegner, Christine Heimerer, Klaus-Börge Boeckmann, Stephanie Falckenstein et al., Franziska Wallner). In meinem Beitrag adaptiere ich den Genre-Ansatz der australischen Didaktik der sog. Sydney School auf, die die Vertrautheit mit den basalen Genres der Bildungssprache in den Mittelpunkt ihrer didaktischen Antwort auf die Migration in der australischen Gesellschaft der 1990er Jahre gestellt hat.

Wolfgang Hallet (2021). Generisches Lernen in der Zweitsprache. In: Dirim, Inci & Anke Wegner, Anke (eds.). Deutsch als Zweitsprache. Inter-und transdisziplinäre Zugänge. Opladen: Budrich. 99-115.

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